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I never read, I just look at pictures.

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Alles geht vor die Hunde! – schoss es mir heute durch den Kopf, als ich urlaubsbedingt durch das Moderna Museet in Stockholm lief und am obigen Zitat von Warhol kleben blieb. Denn schaut man sich an, in welche Richtung sich die aktuelle Mediennutzung entwickelt, dann bemerkt man: Bild ist In – Text irgendwie out. Instagram, Pinterest, Periscope, Snapchat oder Meerkat (sortiert von ‘jaja, erzähl mir was neues’ bis hin zu ‘hip shit’) – erfreuen sich rapide steigender Beliebtheit.

Woran liegt das? Verstehen immer weniger Menschen zusammenhängende Texte? Sind sie es leid, sich durch inhaltsschwere Artikel zu wühlen? Haben die Bildungsanstalten der westlichen Hemisphäre nun endgültig versagt und der Untergang des Abendlandes steht bevor? So könnte man argumentieren – wäre man einer der aktuell unkrautartig aus dem Boden sprießenden negativen Schreihälse.

Versuchen wir mal, diese Sache ganz objektiv zu betrachten: Instagram und Pinterest beispielsweise. Sie eröffnen uns Scheinwelten, die vor lauter Ästhetik und drapiertem Itzi-Bitzi-Kleinod kaum noch Luft für die eigenen mangelhaften Bilder lassen. Verlangt es den User also nach hochwertig produziertem Bildmaterial? Quasi Katalogfotografie mit mehr Feenstaub und etwas weniger ‘Produkt-in-your-face’?

Nö, denn der Fokus in der Bewegtbild-Welt ala Snapchat ist alles andere als hochwertig. Hier fiel ich vor kurzem selbst noch vom Glauben an die anspruchsvoll-kulturelle Seite der Werbung ab. Wieso? Weil ich sah, wie namhafte Marken mit schlecht hingedaddelten Pfeilen versuchten, so auf trendige Art und Weise auf ihre Produkte hinzuweisen. Aber selbst das scheint zu begeistern. Schande über meinen Glauben an das Schöne in der Werbung.

Aber geht da nicht jeglicher Anspruch an ein Medium verloren!?

Frage Dich doch selber, wieso es abends in der Bahn wesentlich angenehmer ist, den Instagram-Feed in gefühlter Lichtgeschwindigkeit durchzuwischen, als die FAZ raus zu holen und sie zum Unmut des Sitznachbarn zu schmökern. Mittlerweile ist der digitale Mensch die maximale Convenience gewöhnt und greift je nach Anlass zu dem Medium, auf dem er sich gut und leicht unterhalten fühlt.

Natürlich fehlt bei reinen Bildern die inhaltliche Tiefe, der Kontext, die Substanz. Als Werbejungs sollten wir uns dann aber fragen: Ist diese dann überhaupt gewünscht? Wie erreicht man, dass sich User überhaupt für Inhalte interessieren?

Die Antwort: Über Nähe. Die Nähe zum eigenen Leben. Leute lieben Bilder und in ihrer Steigerung vermehrt Lifestreams, weil diese durch ihren visuellen Charakter näher an ihrer Realität liegen. Es wird eine Identifikationsfläche ermöglicht, die bisher in dem Maße noch nicht drin war. Daher gehören aktuell auch Blogger, die von Usern gewählte, ikonenhafte Elite des Social Webs zu den ersten, die sich wie Kolumbus auf den neuen Lifestream-Kontinent wagen. (Ob sie da das Fieber verbreiten, lasse ich offen).

Wer also der Meinung ist, seine Markeninhalte sollten auf mehr Anklang stoßen, der halte inne und überdenke, ob die piekfeinen geposteten Produktshots nah am Leben des gewünschten Konsumenten liegen und ob die Substanz im Hintergrund das Lesen überhaupt wert ist. Wenn nicht, laufe er über Los und kassiere keine 4.000€ ein, denn diese wird er hierüber nicht gewinnen können.